Dr. Martin Runge, MdL

Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN im Bayerischen Landtag

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Einführung zu den Zeilen zur vermeintliche Eurokrise

In dem Artikel Anmerkungen zur sogenannten Euro-Krise und zu vermeintlichen Bemühungen zur Rettung der Gemeinschaftswährung und der Euro-Zone (Hintergrund- und Diskussionspapier) finden Sie meine Einschätzung und Positionierung zur sogenannten Euro-Krise und zu den immer größeren „Rettungspaketen“. Diese Thesen vertrete ich sie seit knapp zwei Jahren zur Causa Griechenland, seit vier Jahren zum Finanzmarkt-Debakel und zur Wirtschaftskrise und seit 15 Jahren zum Euro. In dem Artikelchen, das aus den zwei Teilen Prolog/Diagnose und Antworten besteht, ist die aktuelle Problematik eingebettet in den Gesamtkontext falsche Wirtschaftsweise/Systemversagen.

Nachfolgend wesentliche Aussagen und die Kernthesen aus meinen Zeilen:

Die Einführung des Euros, so wie von Kohl und Waigel betrieben, nämlich ohne für fiskal- und haushaltspolitische Konvergenz und zielführende Abstimmung bezüglich wesentlicher Weichenstellungen in der Wirtschafts- und der Sozialpolitik zu sorgen, war ein schwerer Fehler. Vor dem Hintergrund der massiven Diskrepanz wesentlicher Strukturdaten und des weiteren Auseinanderdriftens der wirtschaftlichen Entwicklung wie auch des finanz- und des wirtschaftspolitischen Agierens der Teilnehmerländer musste sich die Gemeinschaftswährung über kurz oder lang als Schönwetterveranstaltung entpuppen.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 03. November 2011 um 14:45 Uhr Weiterlesen...
 
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Anmerkungen zur sogenannten Euro-Krise und zu vermeintlichen Bemühungen zur Rettung der Gemeinschaftswährung und der Euro-Zone (Hintergrund- und Diskussionspapier) (aus dem Skript eines Vortrages vom 25. März 2011 an der Evangelischen Akademie in Tutzing, aktualisiert im September 2011)

Die Europäische Integration: ein großes und eminent wichtiges Erfolgsprojekt – aber es müssen nicht alle europäischen bzw. europapolitischen Entscheidungen bejubelt werden – Kritik am Gerede von der Alternativlosigkeit

Die Europäische Integration ist ein Erfolgsmodell, das seinesgleichen sucht. Frieden, Freiheit, wirtschaftliches Wohlergehen sind mitgetragen vom Zusammenwachsen der Staaten Europas in den Europäischen Gemeinschaften bzw. in der Europäischen Union. Für Deutschland hat die Mitgliedschaft gar die endgültige Wiederaufnahme in die Völkergemeinschaft ermöglicht, für die mittel- und osteuropäischen Reformstaaten war und ist die Beitrittsoption wesentlicher Reformmotor. Immer mehr Regelungsbereiche lassen sich auf nationaler Ebene nicht mehr zielführend steuern, sondern verlangen nach europaweitem Handeln. Dies gilt vor allem für die Bewältigung der globalen Probleme und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und zwar gleichermaßen, ob diese die europäischen Staaten unmittelbar oder mittelbar treffen. Genannt seien hier die Verknappung und Verteuerung fossiler Energieträger, der Klimawandel mit seinen drohenden dramatischen Auswirkungen, die zunehmende Wasserknappheit weltweit oder das schreiend ungerechte Wohlstandsgefälle. Infolge dieser Ereignisse und Entwicklungen drohen wiederum ein Mehr an Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen sowie eine Flut an Armuts- und Klimaflüchtlingen. Einem Europa, welches hier mit einer Stimme sprechen kann, kommt sicherlich größeres Gewicht zu in der weltweiten Völkergemeinschaft.

Selbstredend ist, dass auch überzeugte Europäer nicht mit jeder politischen Weichenstellung aus Brüssel und Straßburg und nicht mit jeder auf nationaler Ebene gefällten europapolitischen Entscheidung einverstanden sein müssen und einverstanden sind. Der Auseinandersetzung mit der Europäischen Integration insgesamt wie zu Einzelfragen darf nicht aus dem Weg gegangen werden. Vor allem sollte es sich verbieten, diejenigen, die kritische Fragen stellen oder bestimmte Weichenstellungen, bestimmte Entscheidungen ablehnen, gleich als „europaskeptisch“ oder gar „europafeindlich“ zu brandmarken. Unbestreitbar ist, dass es bei den politischen Entscheidungen in und zur Europäischen Union massiv an Transparenz mangelt und dass, damit zusammenhängend, die Identifikation und die Begeisterung der Bürgerinnen und Bürger Europas mit der/für die Integration immer mehr zu wünschen übrig lassen. Der Debatte um die Zukunft der Europäischen Union, vor allem um die Finalität der Integration in räumlicher wie in inhaltlicher Hinsicht, darf nicht länger aus dem Weg gegangen werden.

Die Debatte oder besser Nichtdebatte um die sogenannte Euro-Krise und die Maßnahmen zur vermeintlichen Rettung des Euro bzw. der Euro-Zone ist ein Paradebeispiel dafür, wie es gerade nicht laufen sollte. Wenn Haftungsrisiken, d.h. Eventualverbindlichkeiten in dicker dreistelliger Milliardenhöhe übernommen, also in Kauf genommen werden sollen, wenn immer größere Risiken von den Banken auf die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen abgewälzt werden, dann muss hierüber eine offene, differenzierte Diskussion erlaubt sein. Vor allem müssen Entscheidungen von solcher Tragweite vor dem Hintergrund all ihrer möglichen Endergebnisse abgewogen werden. Zu erklären, es gäbe keine Alternative, nach dem Motto zu verfahren „Was nicht sein darf, das nicht sein kann“, ist schlicht und ergreifend verantwortungslos. ... mehr

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 09. November 2011 um 11:04 Uhr
 

Landtagsfraktion der Grünen in Bayern zur Schuldensituation in der Euro-Zone

In unserer Fraktionssitzung am 26.10.2011 haben wir uns mehrheitlich gegen jede Art von Hebelung der Mittel der EFSF und später dann des ESM und gegen die Einführung von Eurobonds positioniert. Einstimmig vertritt die Fraktion die Auffassung, dass die Übernahme weiterer Risiken zulasten der SteuerzahlerInnen, heißt neuerliche Darlehensgewährung, Übernahme von Bürgschaften, Zahlungen an Zweckgesell­schaften/Fonds etc., wenn überhaupt, nur dann in Frage kommen sollte, wenn gleichzeitig ernsthafte Maßnahmen zur Umkehr der Umverteilung von unten nach oben sowie zur Finanzmarktregulierung ergriffen werden.

Positionierung der Fraktion:

a. Übernahme weiterer Risiken zulasten der SteuerzahlerInnen, heißt neuerliche Darlehens-gewährung, Übernahme von Bürgschaften, Zahlungen an Zweckgesellschaften/Fonds etc., wenn überhaupt, dann nur wenn gleichzeitig ernsthafte Maßnahmen a) zur Umkehr der Umverteilung von unten nach oben und b) zur Finanzmarktregulierung (Beschluss einstimmig).

b. Generell keinerlei Hebelung der Mittel der EFSF und später dann des ESM (Beschluss mehrheitlich).

c. Generell keine Eurobonds (Beschluss mehrheitlich).